Samstag, 1. September 2012

Als die Weltkarten noch nicht vollständig waren...

Prinz Edward Inseln (Südafrika)

NASA


Die Prinz Edward Inseln liegen etwa 2.000km südlich von Südafrika und sind etwa so groß wie Bremen. Seit langem halten sich wenige Menschen auf der Insel auf um eine Forschungsstation zu betreiben. Als man 1949 versehentlich Ratten mit auf die Insel brachten und diese zur Plage wurden, dachte man dieses Problem ganze einfach lösen zu können. Noch im selben Jahr brachte man fünf Hauskatzen auf die Insel. Dumm gelaufen...die Hauskatzen ernährten sich lieber von Vögeln als von Ratten und vermehrten sich schnell. Nur wenige Jahre später lebten etwa 3.500 Hauskatzen auf der Insel und die Vogelpopulation war fast vollständig ausgerottet.


Kerguelen (Frankreich)















12.600 Kilometer von Paris entfernt liegen die Kerguelen. Benannt wurden sie nach Yves Joseph de Kerguelen de Trémarc, einem französischem Seefahrer der die Inseln ende des 18. Jahrhunderts entdeckte und sie für den Südkontinent hielt nach dem die ganze Welt suchte. Ja richtig, dem Südkontinent. Damals konnte man sich das Übergewicht an Land auf der Nordhalbkugel der Erde nicht vorstellen und verzeichnete deshalb auf den meisten Seekarten der damaligen Zeit eine Landmasse der Größe Asiens zwischen Afrika und Australien, obwohl ein solcher Kontinent nie gesichtet wurde. Ziemlich dämlich, oder? Herr Kerguelen glaubte also endlich den 7. Kontinent gefunden zu haben den man bis damals meistens "Mu" nannte und nahm ihn für den französischen König als La France Australe (dt. Frankreich des Südens) unter Besitz. Als er wieder in Frankreich ankam beschrieb er dem französischen König den neuen Kontinent als reiches, dicht bevölkertes Land, obwohl er es nie betreten sondern nur aus der Ferne gesehen hat. Seltsamer Mann dieser Herr Kerguelen. Wie endete das ganze? Man schickte ihn noch ein paar mal los um den Kontinent zu erforschen, doch eine Landung gelang auch nach weiteren Versuchen nicht. Das missfiel dem König und er steckte Seefahrer Kerguelen kurzerhand in ein Gefängnis in dem er 1797 starb. Die Inseln, von denen man heute weiß das sie kein Kontinent sind, wurden trotzdem nach ihm benannt. Wäre ja auch doof wenn sich der ganze Aufwand für den armen Seefahrer gar nicht gelohnt hätte.










Zweiter Weltkrieg

Obwohl die Inseln 12.000km von den Hauptspielplätzen des zweiten Weltkriegs entfernt lagen, wurden auch sie nicht gänzlich von seinen Folgen verschont. Die deutschen Hilfskreuzer Pinguin, Komet und Atlantis steuerten die Insel 1940 zu Versorgungszwecken und Instandhaltungsarbeiten an. Bei Ausbesserungsarbeiten an der Atlantis verunglückte der deutsche Matrose Bernhard Hermann tödlich und wurde auf der Insel beigesetzt. Sein Grab ist das südlichste deutsche Soldatengrab der Welt und Deutschland zahlt noch heute regelmäßig einen Kostenbeitrag für Instandhaltungsarbeiten an Frankreich.

Aus Angst die deutschen könnten Unterseeboote auf den Kerguelen stationieren, verminten die Alliierten einige Ankerplätze und Buchten, die noch heute eine Gefahr für die Schifffahrt darstellen.

Crozetinseln (Frankreich)

Die Crozetinseln sind ähnlich weit von Frankreich entfernt wie die Kerguelen und haben eine ähnlich aussergewöhnliche Geschichte. Als die Inseln noch zu Großbritannien gehörten, schickte die Royal Navy in Abständen von zwei bis drei Jahren Schiffe auf die Crozetinseln um zu schauen ob Schiffsbrüchige auf der Inseln auf Rettung warten. Diese kostenaufwändigen Reisen auf die andere Seite der Erde waren durchaus nicht sinnlos. Die zerklüfteten Steilküsten und die schwierigen Wetterverhältnisse machen sogar der modernen Schifffahrt noch Probleme. So schrieb der Engländer Bill Tilman (ein echter Abenteurer der auch den Mount Everest bestieg und im Alter von 79 Jahren irgendwo im Atlantik verschollen ging) im Jahre 1960:„Man möchte fast glauben, dass Schiffbruch der einzige Weg ist, nach Crozet zu gelangen.“ 


1821

Britische Robbenfänger retten sich an Land nachdem ihr Schiff vor der Küste gesunken ist. Sie verbringen bis zu ihrer Rettung zwei Jahre auf der Insel.

1825

Französische Robbenfänger verlieren ihr Schiff bei einem fehlgeschlagenen Landungsmanöver. Bei einem grausamen Überlebenskampf im Winter dezimieren sie sich gegenseitig. (Es wird jeder zehnte Mann umgebracht und als Nahrungsquelle genutzt.) Die letzten Überlebenden werden 1827 von Walfängern gerettet.

1875

Das englische Schiff Strathmore verunglückt bei den Crozetinseln. 40 Menschen sterben, 49 können sich auf die Inseln retten. Während einem sechsmonatigem Überlebenskampf in dem sich die Schiffsbrüchigen von Robben, Vögeln und Gräsern ernähren, sterben weitere fünf Menschen bevor ein Walfängerschiff die Überlebenden findet.

1887

Die wahrscheinlich unglaublichste Geschichte der Crozetinseln. Da ich es selbst nicht besser schreiben könnte als Wikipedia, übernehme ich diesen kurzen Textabschnitt mal 1:1.

"Weniger glücklich war die Mannschaft der französischen Tamaris, die am 6. März 1887 Schiffbruch erlitt. Die Besatzung rettete sich auf die Île aux Cochons und baute sich eine notdürftige Unterkunft. Ihr gelang es am 4. August, einen Riesensturmvogel mit einer Nachricht auszustatten, der am 18. September in der australischen Stadt Fremantle gefunden wurde. Wegen der langen Kommunikationswege erreichte das französische Schiff La Meurthe aber erst am 2. Dezember die Inseln. In der Zwischenzeit jedoch war die Situation für die Schiffbrüchigen so schwierig geworden, dass sie den Versuch unternahmen, auf die nächstgrößere Insel zu fahren, wobei sie offenbar umkamen. Man fand lediglich einen Brief des Kapitäns."

1978 setzte Frankreich eine exklusive 200 Meilen Wirtschaftszone um die Inseln durch und besitzt seither eine der größten Gewässerflächen Weltweit.


©Vollhorst Blog von Yannik Graf

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen